Newsletter #21 | 01/2008
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Jedes Jahr, wenn die Weihnachtsgans
verdaut, Silvester überstanden und vielleicht sogar ein paar
Tage Skiurlaub überlebt wurden, zieht der Designmensch - der
ganzen Feiertagsüppigkeit überdrüssig und kurz vor
dem Eintritt in die Dauerlethargie - zur Möbelmesse und dem
Passagenprogramm nach Köln. Dort beginnt er das Designjahr
im Kreise von Kollegen bei Cocktailempfängen, Präsentationen,
Hallenrundgängen und Pressekonferenzen. Man geht zu Pesch und
in die Spichernhöfe, schaut auf der Messe in die Designhalle
und zu den Talents, besucht die fröhlichen Partys der Wohnmagazine
und holt sich dabei die ersten Augenringe des Jahres. Danach liest
man in den Zeitungen, dass es kaum Neuheiten zu entdecken gab, dass
schon wieder ein paar der großen Hersteller weggeblieben sind,
dass Köln im Vergleich zu Mailand stetig an Bedeutung verlöre,
dass auf allem Swarowski-Kristalle klebten und die aktuelle Trendfarbe
Weiß sei. All das war auch dieses Jahr so.
Neu war 2008, dass die Kölnmesse, die seit einiger Zeit um die Relevanz der Veranstaltung fürchten muss, mit neuen Konzepten gegensteuern wollte und sich für die Design-Halle 11 von Ben van Berkel einen "urbanen Masterplan" entwerfen ließ, der im Vorfeld fulminant angekündigt wurde und Großes erwarten ließ. Der urbane Masterplan bestand aus einem grauenvollen, bunt gemusterten Teppich, der die Gänge und Treppen der Hallenebenen durchzog und sich hier und da auch auf den Wänden fortsetzte. Sein flirrendes Muster und seine aufdringliche Farbigkeit schafften das Kunststück, sich mit der Gestaltung jedes einzelnen Herstellerstands zu beißen und so vermutlich die Unplanbarkeit des Urbanen zu visualisieren. - Selten bestand soviel Einigkeit darüber, dass ein Konzept völlig misslungen ist. Doch auch das Passagenprogramm, einst die rebellische Off-Veranstaltung in Konkurrenz zur Messe und über Jahre einer der Hauptgründe für den Köln-Besuch, ist in die Jahre gekommen und bietet nur noch wenige Überraschungen. Viele Hersteller nehmen nur noch mit ihren permanenten Ausstellungsräumen am Passagenprogramm teil. Die Präsentation in der Design Post etwa bot einen guten Überblick über das Programm einiger der renommiertesten Hersteller im Designbereich - den man so auch in den ambitionierten Einrichtungshäusern jeder deutschen Großstadt erhalten könnte. Wo aber die großen Hersteller das Bild eines Off-Programms dominieren und die Exponate im Showroom die gleichen sind wie vor oder nach der Messe, werden Prosecco und Häppchen notgedrungen zur Hauptattraktion. Teilnehmer wie die Möbelkette Habitat machten sich erst gar nicht die Mühe, ein spezielles Engagement für die Passagen vorzutäuschen und beschränkten es auf das Aufhängen der Passagen-Fahne vor dem Laden. So könnte auch das Passagenprogramm wieder eine wachrüttelnde Gegenveranstaltung gebrauchen, bei der nicht das Label der Veranstaltung, sondern deren Inhalte im Vordergrund stehen und strenge Auswahlkriterien für Qualität sorgen. Natürlich gab es auf der Messe und bei den Passagen einzelne Perlen zu entdecken: Die gelungene Inszenierung deutschen Designs des Rats für Formgebung in riesigen Werkbundkisten etwa, typisch deutsch nach verbindenden Aspekten sortiert und doch ein beeindruckendes, warenkundliches Sammelsurium dessen, was zeitgenössisches Design aus Deutschland heute bedeutet. Die Ausstellung des Schalterherstellers Merten in den Spichernhöfen, bei der das Unternehmen ganz zugunsten studentischer Arbeiten der HfG Karlsruhe zum Thema Strom und Schalter zurücktrat und so seine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Thematik demonstrierte. Die kleine, aber feine Hocker-Ausstellung bei Markanto und natürlich auch die ein oder andere gelungene Neuheit auf der Messe. Dort bot vor allem die Talents-Schau mit den studentischen Arbeiten einen erfrischenden Kontrast zu all dem Vertrauten bei den meisten Herstellern. Doch für eine Veranstaltung, die noch immer in Trend und Innovation ihre wichtigsten Triebfedern sieht und mit schöner Regelmäßigkeit im Vorfeld das Bahnbrechende, Neue und Überraschende ankündigt, musste Köln insgesamt enttäuschen. Vielleicht sollte man in Köln akzeptieren,
dass der Status des Standortes, an dem die Neuheiten präsentiert
werden, längst an Mailand verloren ist. Gerade im Möbeldesign
mit seinen - im Vergleich etwa zur Mode - längeren Zyklen
ist doch der in den Medien übliche Fokus auf die Innovation
eine unnötige Beschränkung und ein der Presse auf dem
Silberteller präsentiertes Manko. Den eigentlichen Sinn Kölns hat in diesem
Jahr keiner so gut erkannt und so gelungen umgesetzt wie die Macher
des "Magazins": Bei deren Party stand ein simples, leckereres
Pellkartoffelessen im Vordergrund, bei dem sich alte und neue
Bekannte treffen ließen und das nebenbei auf einem vom Unternehmen
produzierten Tisch und dazu passenden Bänken stattfand. -
Köln ist zu einem obligatorischen Branchentreff, einem lieb
gewonnenen und gewohnten Jahresanfangsritual geworden, zu dem
sogar das Lamento über die vergebliche Suche nach den Neuheiten
gehört. Inhalte, die sinnstiftend und branchenverbindend
wirken könnten, spielen dabei jedoch eher eine untergeordnete
Rolle. Messe und Passagen bieten den Besuchern aus der Designszene
- um es mit dem new-economy-artigen Slogan des belgischen Möbelherstellers
Extremis auszudrücken - lediglich noch die nötigen "tools
for togetherness". Markus Frenzl |

Sonderschau: German Design

"Es werde Strom" - Merten + HfG Karlsruhe

[d3] design talents: IKARUS Wachslampe - Aylin Kayser /
Christian Metzner

Projekt Stefan Diez + HfG Karlsruhe: WING CHAIR - Joa Herrenknecht

Projekt Stefan Diez + HfG Karlsruhe: NIDO - Eva Marguerre
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